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"Da Rrratschn-Musigant"
 

Erklärung des Namens:
Lautmalerei der Ratsche "Rrrrrr.."
In der Egerländer Mundart gibt es keine harten "k". Meine Mutter stammt aus Rodisfort, Kreis Karlsbad (Radošov/Kyselka okres Karlovi Vary, Tschechische Republik).
Wenn ich zum Volkstanzen aufspiele, verwende ich die Ratsche als Pausenzeichen.

 
Wissenswertes über Ratschen

Was auf dieser Seite nicht behandelt wird, sind sogenannte "Ratschenschlüssel" zum Lösen oder Befestigen von Schrauben und Muttern.
Das physikalische Prinzip ist aber gleich => Name

 

Name:
Ratsche oder Rätsche, Schnarre sowie Schnurre, Rappel, Räppel, Riärtel, Knarre, ist ein hölzernes Lärm- und Effektinstrument, das zu den Schrapp-Instrumenten gehört, zur großen Gruppe der Idiophone (Selbsttöner oder Selbstklinger).

Funktionsweise:
Die Zähne eines sich drehenden Rades lenken eine oder mehrere elastische Zungenblätter (Holz, Metall, Plastik) aus ihrer Ruhelage. Bei der weiteren Drehung springen die Zungen plötzlich in die Ruhelage zurück und und schlagen dabei auf den nächsten Zahn oder gegen ein anderes Hindernis. Dabei entsteht ein ratterndes Geräusch. Je größer die Auslenkung (Amplitude), desto kräftiger der Rücksprung, desto lauter die Ratsche. Je weniger Elastizität die Zungen aufweisen, desto kräftiger der Rücksprung, desto lauter die Ratsche. Wird eine Zunge über die Elastizitätsgrenze hinaus belastet, dann bricht sie.

Die Ratsche wird durch das schwungvolle Drehen eines Holzrahmens mit einem Holzzungenblatt um eine in der Hand gehaltene Achse, an der ein Zahnrad befestigt ist, in Bewegung gesetzt. Das Zungenblatt rattert um das feststehende Zahnrad und erzeugt dabei ein lautes, knatterndes Geräusch. Größere Ratschen haben üblicherweise eine mehrere parallele Holzzungen nebeneinander. Sie erzeugen damit ein breites Band von Schallwellen (Frequenzspektrum).

Der Rahmen einer Drehratsche besteht aus Fichten- oder Kiefernholz, das Zahnrad aus Buchen- oder Eschenholz. Durch eine seitliche Kurbel wird das Zahnrad betätigt. Die dünnen Zungenblätter der Ratsche sind meistens aus Eschenholz (elastisches und hartes Holz) gefertigt. Oft sind sie nicht gleichmäßig dick, sondern werden in eine Richtung hin etwas dünner.

(Bauanleitung)

 

Verbreitung weltweit in verschiedenen Ausführungen.

Früher gehörte die Ratsche neben einer Hellebarde und einem Horn zur Standardausrüstung eines Nachtwächters. Das Horn wurde als Warnsignal für ein Feuer geblasen, die Ratsche verkündete: "Hier bin ich! Vorsicht!" Früher, als es noch keine Kanalisation gab, wurden Nachttöpfe einfach durch das geöffnete Fenster entleert, da musste man als Nachtwächter schon aufpassen.

Hirten und Schäfer benutzten Ratschen als Lärmquelle, um Raubtiere zu vertreiben.

Als es noch keine Glocken gab, wurden Klangbretter und Ratschen als Signalquellen verwendet. Ausrufer verwendeten Ratschen, wenn die Bewohner eines kleinen Ortes eine Neuigkeit erfahren sollten, Glocken waren oft teuer.

Früher zogen Bettelmusikanten mit einer Schnarre = Ratsche durch die Straßen, wovon sich die Bezeichnung "Schnorrer" (jiddisch: שנאָרער) ableitete. Jiddisch ist eine jüdische Sprache, die im Mittelalter aus der deutschen Sprache entstand, eine Art Dialekt aus Hebräisch und Deutsch.

Ratschen wurden und werden immer noch im Weinbau und in Kirschplantagen verwendet, um gefräßige Vögel von den Trauben der Weinstöcke zu vertreiben. Damit vertreibt man auch die Vögel, die Schädlinge fressen! Oft sind diese Ratschen mit einem Windrad versehen, so dass keine Handarbeit nötig ist. Allerdings gewöhnen sich die Vögel an den ständigen Lärm und naschen doch an den süßen Früchten.

In katholischen Gegenden zogen und ziehen teilweise noch heute Kinder mit Ratschen durch die Gemeinde, um mittels des Ratschens die Kirchenglocken zu ersetzen, die in der Zeit vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag bis zur Feier der Osternacht nicht läuten. Die Glocken sind nach Rom geflogen, sie trauern schweigend, weil Jesus am Kreuz gestorben ist.

Diese Aufnahme zeigt eine Schar Ratschnboum (ca. 1930) vor der bekannten Egerbrücke in Rodisfort, heute Radošov (Kyselka, Tschechien). Meine Vorfahren mütterlicherseits stammen aus diesem Ort. Mein Großvater war handwerklich sehr geschickt und hat da wohl mitgebaut. Die meisten Kinder benutzen sogenannte Schubkarrenratschen. Ganz rechts ist eine umgebaute Mistkarre zu erkennen.

Näheres unter dem link: https://www.egerlandmuseum.de/osterratschen_0409/

Geratscht wurde morgens, mittags, abends und zu den Gottesdiensten, dabei wurden verschiedene Sprüche aufgesagt, wie z.B.:

Wir ratschen, wir ratschen den englischen* Gruß,
damit jeder gute Christ weiß, wann er beten muss!
Kniets nieder, fallts nieder auf eure Knie,
bets drei Vaterunser und zwei Ave-Marie!

*(mit englischem Gruß ist der Gruß der Engel im Himmel gemeint)

In vielen Gegenden (z.B.: Belgien ) bringen die Glocken aus Rom die Ostergeschenke mit und nicht der Osterhase!!!

 

Heute ist die Flügelratsche ein beliebtes Instrument bei kulturellen und sportlichen Großveranstaltungen und auf Demonstrationen.

Kleine, aber laute Hand-Ratsche mit Echt-Büten-Druck und Versiegelung mit Holzöl (Bauanleitung)

 

Die Ratsche (hebräisch: רעשן – ra'schen) spielt auch eine Rolle beim jüdischen Purimfest:

Purim erinnert an die im biblischen Buch Esther beschriebene Errettung der nach Persien verschleppten Juden im vierten Jahrhundert v. Ch. Zur Zeit des persischen Königs Achaschwerosch und dessen jüdischer Frau Esther, plante Haman, Achaschweroschs höchster Regierungsbeamte, alle Jüdinnen im Königreich zu töten. Hamans Vorhaben wurde jedoch von Esther vereitelt. Sie setzte sich, unterstützt durch ihren Onkel Mordechai, beim König für ihr Volk ein und bewegte ihn dazu, den Jüdinnen per Dekret das Recht auf Selbstverteidigung gegen Übergriffe zuzugestehen. Diese verteidigten sich erfolgreich und Hamans Plan scheiterte. Der Name Purim leitet sich von dem Wort „pur“ (Plural Purim) ab, was soviel wie „Los“ bedeutet („ein Los ziehen“), aufgrund der Lose, die Haman ziehen ließ, um den Vernichtungstag der Jüdinnen zu bestimmen.

In der Synagoge wird aus diesem Anlass ein Gottesdienst gefeiert, bei dem es absolut nicht ernst zugeht. Sehr verbreitet ist die Tradition, während der Lesung der Megillat Esther in der Synagoge jede Nennung des Bösewichts Haman mit ohrenbetäubendem Lärm durch Rasseln und Ratschen zu begleiten. Der Tag vor Purim heißt „Fasten Esther“ und erinnert daran, dass Esther und ihr Volk fasteten, während sie Gott um Rettung vor Hamans Dekret anflehten.

Purim wird am 14. oder 15. Tag des jüdischen Monats Adar gefeiert und fiel im Jahr 2024 auf den 23./24. März. Verkleiden, süße Haman-Taschen, Ratschenlärm!

https://www.irg-baden.de/de/news/purim-das-fest-der-lose

 

 

Ratschen zum Vertreiben des Winters, im Fasching, böser Geister, Raunächten, Allerheiligen Samhain,

 

Heute sind Ratschen hauptsächlich zu Spielzeuginstrumenten herabgesunken, sie machen auch keinen Lärm mehr!

Verschiedene Komponisten sehen in ihren Werken die Benutzung einer Knarre vor, z. B. Leopold Mozart in der ihm zugeschriebenen Kindersinfonie, Carl Orff in den Carmina Burana und Richard Strauss in seiner sinfonischen Dichtung Till Eulenspiegels lustige Streiche.

Moderne Musikratsche

In der volkstümlichen Musik Tirols und der Schweiz werden oft Ratschn eingesetzt, die aber von der Technik her Klappern sind.
Holzplatten klappen gegeneinander und erzeugen einen ratschenähnlichen Laut.

Der bekannte "Ratschn Klaus" ist also eigentlich ein "Klapper Klaus".

Eine wichtige Quelle über Ratschen ist ein Buch von Johanna Paar "Rrratschen - Ein Handbuch"

Link: https://www.steirisches-volksliedwerk.at/shop/shop_artikel.php?kat_id=3&kat_sub_id=42&item_id=433

 

eine onlineVersion diese Buches findet man unter